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�dition el!es

Lesbische Unterhaltung

Lesbisches Leben
Journal - Lesbisches Leben
Geschrieben von: Administrator   
Freitag, den 02. Juli 2010 um 09:04 Uhr

In einem Kommentar zur »Ausgewählten erotischen Geschichte« wurde heute Mißfallen über die Ausrichtung von el!es als »nur Unterhaltung« geäußert. Die »Fragen des Lebens« würden in unseren Geschichten nicht beantwortet:

Lesbisches Leben. Wie leben Lesben eigentlich? Woran erkennt man Lesbe an sich überhaupt? Was macht Lesben zu dem, was sie sind?

Ein bißchen klingt das ja, als wären wir Laborratten , aber ich denke, die Fragen sind doch recht einfach zu beantworten.

Wie Lesben leben? Ja, wie? So wie andere Menschen auch. Wir gehen zur Schule, wir arbeiten, wir lieben, wir haben Kinder . . . So groß ist der Unterschied da nicht zu jedem anderen Leben. Wir sind doch nicht abgelöst von der Gesellschaft. Das meiste ist ziemlich gleich und abhängig vom persönlichen Charakter, den Vorlieben, den Hobbys, den Begabungen. Wie bei jedem Menschen.

Woran man Lesben erkennt? Da würde ich sagen: Das kommt auf die Lesbe an. Eine Butch erkennt man relativ schnell, denke ich, weil man oft im ersten Moment meint, es wäre ein Mann und dann feststellt, es ist eine Frau. Nur diese »reine Form« gibt es ja kaum. Und zudem sind nicht alle Lesben Butches. Ebensowenig wie Femmes. Das sind ja wieder so Rollen, in die man eigentlich nicht gezwängt werden will.

Was macht Lesben zu dem, was sie sind? Tja, da gibt es nur eine Antwort: Unsere Geburt. Wir werden als Lesben geboren, so wie Heteros als Heteros geboren werden.

Das heißt nicht, daß man das schon sein ganzes Leben lang weiß. Es gibt viele Lesben, die erst einmal mit einem Mann zusammen sind, heiraten, Kinder bekommen, und dann erst spät merken, daß sie eigentlich auf Frauen stehen. Das liegt an den gesellschaftlichen Umständen.

Aber ob eine Frau mit 15 oder mit 50 merkt, daß sie lesbisch ist, das ist egal. Lesbisch war sie schon seit ihrer Geburt. Sie hat es eventuell nur nicht gewußt.

Die Kommentatorin meint, wenn man entdeckt, daß man lesbisch ist, steht man irgendwo dazwischen, zwischen Tradition und eigenen Bedürfnissen zum Beispiel.

Ja, das ist so. Hetero sein ist einfacher. Es ist allgemein gesellschaftlich akzeptiert, man kann heiraten und Kinder kriegen, ohne irgendwelchen besonderen Aufwand dafür treiben zu müssen (wie beispielsweise eine künstliche Befruchtung), man kann überall mit seinem Partner, einem Mann, auftauchen, ohne Erstaunen auszulösen.

Aber ehrlich gesagt wollte ich trotzdem nicht hetero sein. Ich finde Frauen einfach attraktiver.

Und was die Ausrichtung von el!es in Richtung Unterhaltung betrifft: Dazu habe ich mich schon oft geäußert. Bevor es el!es gab, wurde Lesben das Recht auf Unterhaltung anscheinend nicht zugestanden. In allen Geschichten oder Büchern, in denen Lesben vorkamen, herrschte immer der Tenor: Als Lesbe kann man nicht glücklich werden.

Das hat mich geärgert und wütend gemacht, denn das entspricht nicht der Realität, dem von der Kommentatorin so eingeforderten »wahren Leben«. Das »wahre lesbische Leben« ist so wie das jedes Menschen: mal glücklich, mal traurig, mal liebevoll, mal einsam. Nur weil man lesbisch ist, muß man nicht unglücklich sein.

Das ist alles, worum es mir geht.

 

Kommentare (25)


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Sexuell uninteressiert?
geschrieben von Ruth Gogoll am Freitag, 09. Juli 2010
Ich frage mich dann auch manchmal: Hat man als feministische Frau denn generell sexuell uninteressiert zu sein? Oder sind diese Frauen einfach alle verklemmt und frigide? Dann tun sie mir leid. Ich bin selbst nun wahrlich nicht unfeministisch, aber muß ich deshalb darauf verzichten, Sex zu haben? Das kann ja wohl nicht sein.

Und ist Schönheit etwas Verdammenswertes, Häßlichkeit aber etwas Erstrebenswertes? Warum? Dazu würde ich gern einmal eine einleuchtende Argumentation hören.
Ebenso ist es scheint's verdammenswert, daß man sich an Schönheit erfreut. Und da wieder meine Frage: Warum?

Ich sagte ja schon oft genug, ich finde solche ideologischen Scheuklappen einfach nur überflüssig und traurig, egal, ob sie von Männern, Frauen, Heteros, Lesben oder sonstwem benutzt werden. Es ist ein Zeichen dafür, daß diese Menschen nicht denken können. Denn wenn sie das könnten, würden sie wohl merken, daß sie Scheuklappen tragen. smilies/wink.gif
So witzig
geschrieben von Claudia R. am Freitag, 09. Juli 2010
@Kristin: dein Kommentar ist so witzig geschrieben....ich habe mich über die Schilderungen der "korrekten Lesbe" gerade kaputt gelacht...

@Ruth Gogoll: ich habe mich diesen Aspekt bzgl. der "Schönheit" schon selbst oft gefragt und mir dieselbe Frage gestellt wie Sie. Ich schreibe selbst und wurde von Kritikerinnen schon oft angegriffen, weil die Hauptpersonen "zu schön" dargestellt sind. Mich überrascht so was doch immer wieder, weil ich es nie so extrem sah. Ja, die Hauptpersonen meiner Romane sind attraktiv (jede auf ihre Weise; es sind keine Models), aber...ganz ehrlich...wieso sollte ich denn in einer Liebesgeschichte zwei Hauptpersonen erfinden und diese so gestalten, dass a) ich selber nicht mit ihnen anfangen kann, b) die Leserinnen sie sich lieber nicht vorstellen wollen.
Und letztens hat sich auch jemand daran gestört, dass die Hauptperson aus einem meiner Romane nach einer durchzechten Nacht gleich mit x im Bett gelandet ist. Kommentar der Kritikerin: "Aus feministischer Hinsicht stellt es mir da alle Haare auf!"
Meine eigenen, noch frischen Erfahrungen in dieser Hinsicht haben mich dazu bewogen, zu dieser ganzen Geschichte einen Kommentar abzugeben. Bisher habe ich nur ab und zu mitgelesen.

Jedenfalls ist mir durch meine eigenen Erfahrungen sehr bewusst geworden, wie nervig dieses Schubladen-Denken hinsichtlich lesb. Literatur sein kann. Denn obwohl ich auch sehr viel positives Feedback bekomme, bleiben die negativen Kommentare um so deutlicher hängen.

Danke jedenfalls für die Tatsache, dass Sie mit dem ELLES-Verlag positive, nette Lesben-Geschichten verbreiten. Es gibt einiges, was ich sehr gerne gelesen habe.
Und für mein Coming Out waren die Geschichten immens wichtig. (Hätte ich nur die gesellschaftspolitisch korrekten gelesen, hätte ich wohl manch dunkle Stunde durchlebt.)
...
geschrieben von N. Ten`o am Freitag, 09. Juli 2010
„Lesbe“ ist nur ein Wort. Unter dieser Bezeichnung, geht es um Frauen, und unter der Bezeichnung „Frau“, geht es um Menschen. Wie jeder Mensch auch, manche sind schüchtern, manche sind prüde, manche draufgängerisch, manche enttäuscht, und im allgemein, sind sie menschlich, und haben ein bisschen von allem. Menschlich und weiblich. Frauen bleiben Frauen, und lieben wie nur Frauen im Stande sind zu lieben, weich und herzlich, mütterlich... Jede einzelne ist der anderen Liebling, die größte Sorge, die kleine Maus. Es gibt immer ein Küsschen parat, und die warme Stimme, die Stimme einer Frau, die Zärtlichkeit einer Frau, und jede Lesbe, dient gewissermaßen, als Mutter für die andere. Ich bin von zwei Frauen umsorgt, weil ich schwer Behindert bin. Sie sind kaum älter als ich, und mit mir nicht verwandt. Ich schreibe über die beiden täglich, und seitdem ich in ihre Familie aufgenommen wurde, habe ich begriffen, sie sind nicht Lesben, nicht Frauen, sondern Menschen. Manchmal kindisch, manchmal kritisch, manchmal dumm, sie sind, aber, meine Ideale, meine Modele, meine Künstlerin, meine Menschen! Und Lesben! Solange ich lebe, werde ich mich bemühen, über die Lesben meines Lebens so schön wie möglich zu schreiben! Eine davon, ist TElle...
Die korrekte Lesbe und der Erfolg
geschrieben von Kristin aus N. am T. am Freitag, 09. Juli 2010
Liebe Ruth Gogoll,

irgendwie klingt es so, als ob Ihr Erfolg unverdient sei.
Die Tatsache, dass Ihre Bücher immer ein Happy End haben, ist wohl zu trivial. Und absolut nicht erklärbar ist, wie man damit auch noch erfolgreich sein kann. Kein Wort der Anerkennung. Ihr Erfolg wird in Frage gestellt und da Ihre Geschichten als trivial eingestuft werden, wird auch Ihr Erfolg als Erfolg 2. Klasse abgetan. So nach dem Motto, so leicht hätten es sich die anderen auch machen können. So schreiben kann ja jeder.
Am Schlimmsten ist für Ihre Feinde aber sicher, dass Sie selbst nicht für sich beanspruchen der lesbische Goethe oder Schiller zu werden. Ihre Bücher sollen unterhalten und Spaß machen. Ich glaube Ihre Gegner haben vergessen, dass man auch als Lesbe einen Anspruch auf Happy End haben darf und das nicht nur in Büchern.
Bezeichnend ist auch, dass Ihr Verlag von anderen angegriffen wird, während Sie kein Problem mit den anderen Verlagshäusern haben. Warum kann man Sie und Ihren Verlag nicht einfach in Ruhe lassen? Na klar, weil Sie eine Bedrohung sind. Vor Ihrem „Taxi nach Paris“ war der lesbische Büchermarkt fein aufgeteilt. Dann kamen Sie und setzten sich gleich an die Spitze. Alle bereits existierenden Verlagshäuser verloren Kunden an Sie, was ja eigentlich nicht möglich sein konnte, denn Ihre Literatur ist ja so trivial, dass sie die korrekte Lesbe niemals kaufen würde.

- Die korrekte Lesbe hat aber auch Sehnsucht nach schönen und vor allem leicht verständlichen Geschichten.
- Die korrekte Lesbe will nach einem anstrengenden Arbeitstag abends im Schlafanzug nicht vier Seiten lesen müssen, um lediglich zu erfahren, dass ein in allen Farben schimmerndes Blatt von einem Baum fiel.
- Die korrekte Lesbe will in ihrem wohlverdienten Urlaub am Strand nicht lesen müssen, dass ein erotisches Abenteuer zwischen zwei Frauen so heimlich im Dunkeln stattfinden soll, dass es nur zwei Zeilen verdient hat.
- Die korrekte Lesbe will nicht an einem Sonnabend-Nachmittag, nachdem sie einen lesbischen Roman fertiggelesen hat, auf ihren Balkon springen und die Revolution zur Stärkung der Lesben-Rechte ausrufen.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht und nicht Ihren Neidern! Lassen Sie sich bloß nicht beirren. Machen Sie so weiter.

Liebe Grüße,
Kristin
Schönheit
geschrieben von Ruth Gogoll am Freitag, 09. Juli 2010
Als ich den letzten Kommentar las, fiel mir gerade so ein: Wenn eine dieser so fürchterlich feministischen, politisch korrekten, gesellschaftsrelevant besorgten und aus Prinzip oder politischer Korrektheit unglücklichen (weil als Lesbe darf man ja nicht glücklich sein) lesbischen Damen, die mich so verurteilen, feststellt, daß sie nun unglücklicherweise versehen mit einer gewissen körperlichen Schönheit geboren wurde, unternimmt sie dann etwas dagegen? Unterzieht sie sich einer »Häßlichkeitsoperation«? smilies/cool.gif

Die Bemerkung ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber solche Gedanken kommen mir immer wieder, wenn ich von solchen merkwürdigen Äußerungen erfahre wie daß el!es Schund wäre, nur weil Lesben in den Büchern glücklich sein dürfen. Ich lese so etwas normalerweise gar nicht, weil ich denke, Leute, die so etwas behaupten, sind einfach nur dumm. Sie können nicht denken oder haben Probleme mit sich selbst, und deshalb können sie das Glück anderer nicht ertragen. Noch nicht einmal in einem Buch.

Diese Erfahrung habe ich auch im wirklichen Leben gemacht. Leute, die andere verurteilen, haben meist selbst einige Leichen im Keller. Und wenn es nur das ist, daß sie die el!es-Bücher heimlich gern lesen. smilies/laugh.gif
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