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Ich bin immer wieder erstaunt darüber, welche Leute uns Manuskripte schicken. Gestern beispielsweise kam ein Manuskript von einem Mann, der sich »Lesbiero« nennt.
Ist es denn zu fassen? 
Der Mann ist weder transsexuell noch schwul, er ist ein ganz normal verheirateter Heteromann, der seine »lesbischen Phantasien« in Worte faßt. Seinen Angaben zufolge hat er nun schon den vierten »lesbischen Roman« geschrieben.
Es ist wohl kaum erwähnenswert, daß sein »Werk« nichts mit den lesbischen Romanen zu tun hat, wie wir sie veröffentlichen.
Ich frage mich immer wieder, wie kommen Männer dazu, so etwas zu schreiben? Und auch noch einem lesbischen Verlag wie uns anzubieten?
Ich würde gern Auszüge aus dem Roman, den »Lesbiero« uns geschickt hat, hier hereinsetzen, aber das geht natürlich nicht, denn das Copyright gehört dem Autor. Könnte ich Auszüge hier veröffentlichen, würden sie sicherlich bei vielen el!es-Leserinnen zu Lachanfällen führen.
»Lesben«, wie sie sich Männer vorstellen, sind grundsätzlich langhaarig, kleiden sich wie Strichmädchen und laufen auf hochhackigen Schuhen herum. Vom lesbischen Leben haben sie keine Ahnung (Wie auch? Der Autor weiß ja nicht, was lesbisches Leben bedeutet), und was sie an einer Frau attraktiv finden, ist rein äußerlich. Die inneren Werte einer Frau interessieren sie nicht und kennen sie auch nicht.
Der »Roman« ist gerade einmal 15.000 Wörter lang, also eher eine Kurzgeschichte. Was hauptsächlich daran liegt, daß selbstverständlich nur sexuelle Aktivitäten beschrieben werden, kaum etwas, was darüber hinausgeht. Außerhalb ihres Unterleibs haben die Frauen anscheinend kein Leben.
Da könnte man doch meinen, alles, was man nur für Vorurteile und Klischees in bezug auf Männer hält, wäre wahr. 
Nun ja, selbstverständlich wird dieser »lesbische Roman« nicht in unserem Verlag erscheinen, aber er wird sicherlich nicht der letzte sein, den wir von einem Mann zugeschickt bekommen.
Immer wieder erstaunlich auf jeden Fall.
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Ebenfalls sehr amüsierte Grüße
Maren