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Seite 1 von 2 Ich möchte hier einmal auf einen Kommentar zum Thema Schreiben aus dem Artikel »Eine gefährliche Schwäche« eingehen. Dort schrieb Michaela:
Mein großes Ziel ist dennoch, einmal einen Roman zu schreiben. Ich fange voller Begeisterung an. Ich sehe den Ablauf des Buches schon zum Großteil vor meinem geistigen Auge. Ich schreibe also eine Zeit und muss dann ja leider irgendwann auch erstmal wieder aufhören. Am nächsten Tag setze ich mich hin und lese, was ich geschrieben habe, und bin gar nicht mehr zufrieden. Ändere ein paar Dinge, und dann merke ich, dass nichts in der Geschichte so ist, wie es sein soll, und frage mich, wie ich auf die Idee gekommen bin zu schreiben.
Man sollte meinen, ich lerne daraus, aber nein, ich fange eine neue Geschichte an.
Ich denke, so geht es vielen, die schreiben wollen. Aber, liebe Michaela, da muß ich doch auch einmal den Finger heben und fragen: Wer hat denn da meine Schreibwerkstatt nicht gelesen? 
Von »Einfach so losschreiben« steht da glaube ich nichts. Wenn man wirklich ernsthaft schreiben will, muß man sich auch mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigen, und das beinhaltet Planung der Figuren, der Geschichte, des Ablaufs, des Spannungsbogens.
Jemand, der malen will, malt ja auch nicht einfach so los. Da muß man sich erst einmal mit den verschiedenen Techniken beschäftigen – Aquarell oder lieber Öl, welche Pinsel, welche Farben, wie grundiere ich die Leinwand? usw. – und dann muß man üben diese Techniken anzuwenden. Wenn man einfach so losmalt, wirft man vermutlich ein unvollendetes Bild nach dem anderen weg. Das geht ganz schön ins Geld.
Vielleicht sollte man sagen: leider – gehen mißlungene Schreibversuche nicht so sehr ins Geld, heutzutage jedenfalls nicht mehr. Früher mußten arme Künstler sich das teure Papier, die teure Tinte und die teuren Schreibfedern ebenfalls vom Munde absparen, hungerten lieber als auf Papier und Tinte zu verzichten, aber das ist heute ja kein Thema mehr.
Es ist gut, daß es so ist, daß jeder schreiben kann, wenn er möchte, aber eins hat sich trotzdem nicht geändert: Das Handwerk muß man zuerst beherrschen.
Ich wiederhole mich immer wieder, wenn ich versuche, Leuten, die schreiben wollen, die Bedeutung des Handwerks klarzumachen. Talent gehört zum Schreiben ebenfalls dazu, aber es ist der weitaus kleinere Teil. Das Handwerk erst macht aus vorhandenem Talent ein fertiges Manuskript und eventuell ein gedrucktes Buch. Aber nicht das Handwerk des Druckers, sondern das des Schreibenden.
Wie also fängt man eine Geschichte an? Indem man einfach losschreibt? Nein.
Aus diesem Grunde habe ich hier die Schreibübungen vorgeschlagen. Dort kann man üben, kann die Ergebnisse des Übens anderen zum Lesen hier einstellen und entsprechend der Reaktionen etwas lernen, das man dann bei der nächsten Übung bessermachen kann.
Denn der Anfang ist normalerweise das schwerste an einer Geschichte, an einem Buch. Wenn man darüber erst einmal hinaus ist, läuft es oftmals von selbst. Bis zu einem gewissen Grade, denn viele Schreibende berichten dasselbe: Bis zur Mitte geht’s, dann hört es plötzlich auf.
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